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<description>
	<author>Ovid</author>
	<title>Metamorphoses</title>
	<snippet>Die Lykischen Bauern</snippet>
	<translator>Anne Zeber und Regina Reithmeier</translator>
	<textkind>poetry</textkind>
	<firstnumber>313</firstnumber>
	<navigation>
		<previous url="intro.html">Metamorphoses Einführung</previous>
		<previous url="pyramus_thisbe.xml">Pyramus und Thisbe</previous>
		<next url="ikarus.xml">Dädalus und Ikarus</next>
	</navigation>
</description>
<text>
	<section from="313" to="338">
		<german>
		<para no="313"/> Nicht übersetzt
		<para no="317"/> Einer von ihnen sagt: "Auch auf den Feldern des fruchtbaren Lykien haben die alten Bauern die Göttin nicht ungestraft verachtet. Die Sache freilich ist aufgrund der niederen Herkunft der Männer, trotzdem erstaunlich. <para no="320"/> Ich habe mit eigenen Augen sowohl den Teich als auch den Ort gesehen, der durch das Wunder bekannt ist; denn mein Vater hatte mir befohlen, als er schon ziemlich alt war und zu Fußmärschen nicht mehr fähig, befohlen, ausgewählte Rinder von dort wegzuführen und er selbst hatte mir einen Führeraus jenem Volk für meinen Weg mitgegeben. Während ich mit diesem das Weideland besichtigte, <para no="325"/> siehe da, stand mitten im See ein alter Altar, schwarz von der Asche der Opferhandlungen, umgeben von zitterndem Schilf. Mein Führer blieb stehen und sagte mit furchtsamen Murmeln "Sei mir gnädig!", und mit ähnlichem Murmeln sagte ich (auch) "Sei mir gnädig!". Ich wollte ihn gerade fragen, ob der Altar den Naiaden oder dem Faunus oder einem einheimischen Gott geweiht sei, <para no="330"/> als der Fremde Folgendes erzählte: "Nein Junge, in diesem Altar wohnt keine Berggottheit: Jene nennt diesen ihr eigen, der einst die königliche Gattin den Aufenthalt auf dem Erdkreis untersagte, die, als sie darum bat, mit Mühe die Insel Delos damals aufnahm, als sie noch haltlos schwamm. <para no="335"/> Dort gebar Latona gegen den Willen der Stiefmutter gestützt auf eine Palme und auf einen Ölbaum der Minerva Zwillinge; man erzählt, dass von hier die junge Mutter vor Juno geflohen sei und ihre Kinder, zwei göttliche Wesen an der Brust getragen habe.
		</german>
		<latin>
		Tum vero cuncti manifestam numinis iram<br/>
		femina virque timent cultuque inpensius omnes<br/>
		magna gemelliparae venerantur numina divae;<br/>
		utque fit, a facto propiore priora renarrant.<br/>
		e quibus unus ait: 'Lyciae quoque fertilis agris<br/>
		non inpune deam veteres sprevere coloni.<br/>
		res obscura quidem est ignobilitate virorum,<br/>
		mira tamen: vidi praesens stagnumque locumque <br/>
		prodigio notum. nam me iam grandior aevo<br/>
		inpatiensque viae genitor deducere lectos<br/>
		iusserat inde boves gentisque illius eunti<br/>
		ipse ducem dederat, cum quo dum pascua lustro,<br/>
		ecce lacu medio sacrorum nigra favilla<br/>
		ara vetus stabat tremulis circumdata cannis.<br/>
		restitit et pavido "faveas mihi!" murmure dixit<br/>
		dux meus, et simili "faveas!" ego murmure dixi.<br/>
		Naiadum Faunine foret tamen ara rogabam<br/>
		indigenaene, dei, cum talia rettulit hospes: <br/>
		"non hac, o iuvenis, montanum numen in ara est;<br/>
		illa suam vocat hanc, cui quondam regia coniunx<br/>
		orbem interdixit, quam vix erratica Delos<br/>
		orantem accepit tum, cum levis insula nabat;<br/>
		illic incumbens cum Palladis arbore palmae<br/>
		edidit invita geminos Latona noverca.<br/>
		hinc quoque Iunonem fugisse puerpera fertur<br/>
		inque suo portasse sinu, duo numina, natos.<br/>
		
		</latin>
	</section>


	<section from="339" to="381">
		<german>
			Im Gebiet Lykiens hat die von langer Anstrengung ermüdete und von der Sonnenglut ausgedörrte Göttin Durst bekommen, und die gierigen Kinder hatten die Milch gebenden Mutterbrüste geleert. Zufällig hat sie einen See von mittelmäßigem Wasser an der tiefsten Stelle/in der Tiefe (prädikativer Gebrauch) des Tals erblickt: Die Bauern lasen dort buschige Weidenruten mit Binsen auf und den Sümpfen angenehmes Schilfgras. Die Titanin ist herangekommen und hat, nachdem sie das Knie gebeugt hatte, die Erde eingedrückt, um die eisige Flüssigkeit (poet. pl.) zu schöpfen, um zu trinken. Die bäuerliche Schar verbietet es ihr. Die Göttin hat die Verbietenden so angesprochen: Was haltet ihr mich vom Wasser ab? Der Nutzen des Wassers ist gemein, <para no="350"/> die Natur hat weder die Sonne, noch die Luft (poet. pl.), noch die flachen Wellen/das flache Wasser zu Privateigentum gemacht. Ich komme zu öffentlichen Geschenken. Ich bitte euch flehend, dass ihr mir dennoch dieses/diese Dinge gebt. Ich werde mich nicht anschicken, hier unsere Glieder und den ermatteten Körper zu waschen, sonder den Durst zu löschen. Der Mund entbehrt der Feuchtigkeit eines Sprechenden und die Kehle ist trocken und kaum ist ein Weg der Stimme in ihr. Der Trunk des Wassers wird mir ein Göttertrank sein und ich werde bekennen, dass ich das Leben zugleich empfangen habe/dass Leben zugleich empfangen worden ist. Ihr werdet mir das Leben im Wasser gegeben haben. Diese sollen auch euch bewegen, die die kleinen Arme von meiner (eigentl. unserer) Brust strecken. und zufällig strecken die Kinder die Arme (aus). <para no="360"/> Wen hätten die schmeichlerischen Worte der Göttin nicht bewegen können? Dennoch fahren diese fort die Bittende abzuhalten und fügen Drohungen hinzu, wenn sie nicht in die Ferne weggehe, und darüber hinaus Schimpfworte. Und dem ist nicht genug: Und auch mit Füßen und der Hand wühlen sie selbst den See auf und bewegen durch bösartiges Hin- und Herspringen den weichen Schlamm aus der tiefsten Tiefe. Der Zorn hat den Durst verdrängt. Und schon bittet die Tochter des Königs nämlich weder die Unwürdigen, noch hält sie es aus, weiter Worte zu gering für eine Göttin zu sagen; und die flachen Hände zu den Gestirnen erhebend hat sie gesagt "Ihr sollt auf ewig in diesem Teich leben." <para no="370"/> Die Wünsche der Göttin gehen in Erfüllung. Es erfreut/gefällt, unter Wasser zu sein, bald den ganzen Körper in dem tiefen Sumpf zu versenken, nun das Haupt hervorzustrecken, bald an der Wasseroberfläche zu schwimmen, oft oberhalb des Ufers des Teiches haltzumachen, oft in den eisigen See zurückzuspringen. Aber auch nun üben sie die schimpflichen Zungen mit Zankereien und, nachdem die Scheu vertrieben worden ist, versuchen sie, obgleich sie unter Wasser sind, unter Wasser Schlechtes zu sagen. Schon ist auch die Stimme heiser, die aufgeblähten Hälse schwellen an und die Schimpfworte selbst machen die offen stehenden Mäuler breiter. Die Rücken berühren das Haupt, die Hälse scheinen ausgelassen, <para no="380"/> der Rücken ist grün, der Bauch, der größte Teil des Körpers ist weiß und in der schlammigen Tiefe springen neue Frösche umher.
		</german>
		<latin>
			iamque Chimaeriferae, cum sol gravis ureret arva,<br/>
			Finibus in Lyciae longo dea fessa labore<br/>
			Sidereo siccata sitim collegit ab aestu<br/>
			Uberaque ebiberant avidi lactantia nati.<br/>
			Forte lacum mediocris aquae prospexit in imis<br/>
			Vallibus: agrestes illic fruticosa legebant<br/>
			Vimina cum iuncis gratamque paludibus ulvam.<br/>
			Accessit positoque genu Titania terram<br/>
			Pressit, ut hauriret gelidos potura liquores.<br/>
			Rustica turba vetat. Dea sic affata vetantes:<br/>
			"Quid prohibetis aquis? Usus communis aquarum est.<br/>
			Nec solem proprium natura nec aera fecit.<br/>
			Nec tenues undas: ad publica munera veni.<br/>
			Quae tamen ut detis, supplex peto. Non ego nostros<br/>
			Abluere hic artus lassataque membra parabam,<br/>
			Sed relevare sitim. Caret os umore loquentis,<br/>
			Et fauces arent vixque est via vocis in illis.<br/>
			Haustus aquae mihi nectar erit vitamque fatebor<br/>
			Accepisse simul: vitam dederitis in unda.<br/>
			Hi quoque vos moveant, qui nostro bracchia tendunt<br/>
			Parva sinu", et casu tendebant bracchia nati.<br/>
			Quem non blanda deae potuissent verba movere?<br/>
			Hi tamen orantem perstant prohibere minasque,<br/>
			Ni procus abscedat, conviciaeque insuper addunt.<br/>
			Nec satis est: ipsos etiam pedibusque manuque<br/>
			Turbavere lacus imoque ex gurgite mollem<br/>
			Huc illuc limum saltu movere maligno.<br/>
			Distulit ira sitim. Neque enim iam filia Coei<br/>
			Supplicat indignis nec dicere sustinet ultra<br/>
			Verba minora dea; tollensque ad sidera palmas<br/>
			"Aeternum stagno" dixit "vivatis in isto!"<br/>
			Eveniunt optata deae: iuvat esse sub undis<br/>
			Et modo tota cava submergere membra palude,<br/>
			Nunc proferre caput, summo modo gurgite nare,<br/>
			Saepe super ripam stagni consistere, saepe <br/>
			In gelidos resilire lacus. Sed nunc quoque turpes<br/>
			Litibus exercent linguas pulsoque pudore,<br/>
			Quamvis sint sub aqua, sub aqua maledicere temptant.<br/>
			Vox quoque iam rauca est, inflataque colla tumescunt,<br/>
			Ipsaque dilatant patulos convicia rictus.<br/>
			Terga caput tangunt, colla intercepta videntur,<br/>
			Spina viret, venter, pars maxima corporis, albet,<br/>
			Limosoque novae saliunt in gurgite ranae.
		</latin>
	</section>
</text>
</translation>