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<description>
	<author>Ovid</author>
	<title>Metamorphoses</title>
	<snippet>Orpheus und Eurydice</snippet>
	<translator>Nicole Ortner</translator>
	<textkind>poetry</textkind>
	<firstnumber>1</firstnumber>
	<navigation>
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		<previous url="ikarus.xml">Dädalus und Ikarus</previous>
		<next url="pygmalion.xml">Pygmalion</next>
	</navigation>
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<text>
	<section from="1" to="10">
		<german>
			Von dort geht Hymenaeus, bekleidet mit seinem gelben Umhang durch den unermesslichen Himmel und strebt zu der Küste der Circonen und die Stimme des Orphei ruft ihn vergeblich. Jener war zwar anwesend, aber er brachte keine Worte, keine frohe Mienen, keine glücklichen Vorzeichen; auch die Fackel war zischend in tränenerregendem Rauch und fing trotz der Bewegung kein Feuer. Das Ende war schwerer als das Vorzeichen; denn die frisch Vermählte starb, während sie von einer der Nümpfen begleitet, durch das Gras streifte, nachdem sie den Zahn einer Schlange in der Verse empfangen hat.
		</german>
		<latin>
		Inde per inmensum croceo velatus amictu<br/>
		aethera digreditur Ciconumque Hymenaeus ad oras<br/>
		tendit et Orphea nequiquam voce vocatur.<br/>
		adfuit ille quidem, sed nec sollemnia verba<br/>
		nec laetos vultus nec felix attulit omen.<br/>
		fax quoque, quam tenuit, lacrimoso stridula fumo<br/>
		usque fuit nullosque invenit motibus ignes.<br/>
		exitus auspicio gravior: nam nupta per herbas<br/>
		dum nova naiadum turba comitata vagatur,<br/>
		occidit in talum serpentis dente recepto.
	</latin>
	</section>

	<section from="11" to="77">
		<german>
			Nachdem Orpheus diese auf der Oberwelt genug beweint hatte, wagte er es, durch die Taenarische Pforte zur Styx hinabzusteigen, um es auch bei den Schatten zu versuchen, und wandte sich durch die körperlosen Scharen und die Schattenbilder der Bestatteten an Persephone und den Herrn der Schatten, der das widerwärtige Reich beherrschte; nachdem er zum Lied die Saiten und singt folgendes: "Oh ihr Gottheiten der Unterwelt, in die wie alle hinabsinken, die wir sterblich geschaffen werden: wenn es gestattet ist <para no="20"/> und ihr ohne Ausflüchte einer trügerischen Rede die Wahrheit sagen lasst, ich bin nicht hierher herabgestiegen, um die finstere Unterwelt zu sehen, auch nicht, um die von Schlangen umringelten drei Hälse den medusenhaften Höllenhund Cerberus zu fesseln; der Grund für meinen Weg ist die Gattin, in die eine Viper, auf die sie trat, ihr Gift verspritzte und sie in der Blüte ihrer Jugend wegnahm.
			Ich wollte, dass ich es ertragen könnte und ich werde nicht leugnen es versucht zu haben: Amor hat gesiegt. Der Gott ist hier in der Oberwelt gut bekannt; ob er es hier auch ist, bezweifle ich. Aber ich vermute, dass er es dennoch auch hier ist; und wenn die Kunde vom alten Raub nicht gelogen hat, verband Amor auch euch. Bei dieser Gegend voll von Angst, <para no="30"/> bei dieser gewaltigen Ode und Stille des öden Reiches, bitte ich darum, dass ihr Eurydikes Tod, der sie zu früh ereilt hat, rückgängig macht! Alles gehört euch und wenn wir ein Weilchen verweilt haben, eilen wir früher oder später zum eine Wohnsitz. Wir streben alle hierher, das ist unser letztes Haus, und ihr habt die längste Herrschaft über das Geschlecht der Menschen inne. Auch diese wird euch gehören, wenn sie die gebührenden Jahre, bis sie eine reife Frau ist, verlebt haben wird: Staat eines Geschenkes fordern wir das Nutzungsrecht. Wenn das Schicksal aber die Nachsicht für meine Frau verweigert, dann steht es für mich fest, dass ich nicht zurückgehen will. Freut euch über den Tod von uns beiden!
			<para no="40"/> Während er solches sagte und die Saiten zu den Wörtern bewegte, beweinten ihn die bleichen Seelen: Weder Tantalus haschte nach der zurückweichenden Welle und das Rad von Ixion stand still noch fraßen die Vögel die Leber und die Beliden ließen die Krüge stehen und du, Sisyphus, saßest auf deinem Stein. Da wurden angeblich zuerst die Wangen der Eumeniden von Tränen nass besiegt vom Lied. Weder die königliche Gattin noch er, der die Unterweltregiert, ertragen es, es dem Bittenden zu verweigern und rufen Eurydike. Jene war noch unter den frischen Schatten und schritt wegen der Wunde mit langsamen Schritten einher. <para no="50"/> Orpheus aus Thrakien bekommt diese zugleich und die Bedingung, dass er nicht zurückblickt, bis er den Talkessel des Avernersees hinter sich lässt, oder das Geschenk würde wertlos sein.
			Der ansteigende Weg wird durch eine lautlosen Stille zurückgelegt, der steil, dunkle, dicht umhüllt von düsterem Nebel ist. Und sie waren nicht mehr weit von dem Rand der Oberwelt entfernt - hier wandte der Liebende seine Augen zu ihr, weil er fürchtete, dass sie ermatten würde, und aus Begierde sie zu sehen, und sogleich sank jene zurück, und die Arme ausstreckend und sich bemühend zu ergreifen und ergriffen zu werden, bekam der Unglückliche nur die zurückweichende Luft zu fassen. <para no="60"/> Und schon klagte sie zum zweiten Mal sterbend nichts über ihren Ehemann - worüber hätte sie denn klagen sollen außer, dass sie geliebt wurde?
			Und sie sagte das letzte "Leb wohl!", das (sodass es) jener mit den Ohren kaum noch hörte, und sie sank wieder ebendorthin zurück. Orpheus erstarrte nicht anders über den doppelten Tod seiner Ehefrau, als jener, der ängstlich die drei Hälse des Hundes sah, wobei der Mittlere Ketten trug: dem die Angst nicht eher verließ als die frühere Gestalt, nachdem am Körper Stein entstanden war und Olenos, der die Schuld auf sich zog und schuldig zu sein scheinen wollte <para no="70"/> und du, oh unglückselige Lethaea, im Vertrauen auf deine schöne Gestalt, einst sehr verbundene Herzen, die nur aus Stein sind, die das quellenreiche Idagebirge trägt.
			Den Bittenden und vergeblich eine zweites Mal hinüberfahren wollenden hatte der Fährmann abgewiesen. Dennoch saß jener sieben Tage im Trauergewand ohne Nahrung am Ufer; Sorge, Schmerz des Herzens und Tränen waren seine Nahrung. Die Götter der Unterwelt seien grausam, klagte er und zog sich auf das hohe Rhodopegebirge zurück und auf das Haemusgebirge, wo der Nordwind herumbraust.
		</german>
		<latin>
			quam satis ad superas postquam Rhodopeius auras<br/>
			deflevit vates, ne non temptaret et umbras,<br/>
			ad Styga Taenaria est ausus descendere porta<br/>
			perque leves populos simulacraque functa sepulcro<br/>
			Persephonen adiit inamoenaque regna tenentem<br/>
			umbrarum dominum pulsisque ad carmina nervis<br/>
			sic ait: 'o positi sub terra numina mundi,<br/>
			in quem reccidimus, quicquid mortale creamur,<br/>
			si licet et falsi positis ambagibus oris<br/>
			vera loqui sinitis, non huc, ut opaca viderem<br/>
			Tartara, descendi, nec uti villosa colubris<br/>
			terna Medusaei vincirem guttura monstri:<br/>
			causa viae est coniunx, in quam calcata venenum<br/>
			vipera diffudit crescentesque abstulit annos.<br/>
			posse pati volui nec me temptasse negabo:<br/>
			vicit Amor. supera deus hic bene notus in ora est;<br/>
			an sit et hic, dubito: sed et hic tamen auguror esse,<br/>
			famaque si veteris non est mentita rapinae,<br/>
			vos quoque iunxit Amor. per ego haec loca plena timoris,<br/>
			per Chaos hoc ingens vastique silentia regni,<br/>
			Eurydices, oro, properata retexite fata.<br/>
			omnia debemur vobis, paulumque morati<br/>
			serius aut citius sedem properamus ad unam.<br/>
			tendimus huc omnes, haec est domus ultima, vosque<br/>
			humani generis longissima regna tenetis.<br/>
			haec quoque, cum iustos matura peregerit annos,<br/>
			iuris erit vestri: pro munere poscimus usum;<br/>
			quodsi fata negant veniam pro coniuge, certum est<br/>
			nolle redire mihi: leto gaudete duorum.'<br/>
			Talia dicentem nervosque ad verba moventem<br/>
			exsangues flebant animae; nec Tantalus undam<br/>
			captavit refugam, stupuitque Ixionis orbis,<br/>
			nec carpsere iecur volucres, urnisque vacarunt<br/>
			Belides, inque tuo sedisti, Sisyphe, saxo.<br/>
			tunc primum lacrimis victarum carmine fama est<br/>
			Eumenidum maduisse genas, nec regia coniunx<br/>
			sustinet oranti nec, qui regit ima, negare,<br/>
			Eurydicenque vocant: umbras erat illa recentes<br/>
			inter et incessit passu de vulnere tardo.<br/>
			hanc simul et legem Rhodopeius accipit heros,<br/>
			ne flectat retro sua lumina, donec Avernas<br/>
			exierit valles; aut inrita dona futura.<br/>
			carpitur adclivis per muta silentia trames,<br/>
			arduus, obscurus, caligine densus opaca,<br/>
			nec procul afuerunt telluris margine summae:<br/>
			hic, ne deficeret, metuens avidusque videndi<br/>
			flexit amans oculos, et protinus illa relapsa est,<br/>
			bracchiaque intendens prendique et prendere certans<br/>
			nil nisi cedentes infelix arripit auras.<br/>
			iamque iterum moriens non est de coniuge quicquam<br/>
			questa suo (quid enim nisi se quereretur amatam?)<br/>
			supremumque 'vale,' quod iam vix auribus ille<br/>
			acciperet, dixit revolutaque rursus eodem est.<br/>
			Non aliter stupuit gemina nece coniugis Orpheus,<br/>
			quam tria qui timidus, medio portante catenas,<br/>
			colla canis vidit, quem non pavor ante reliquit,<br/>
			quam natura prior saxo per corpus oborto,<br/>
			quique in se crimen traxit voluitque videri<br/>
			Olenos esse nocens, tuque, o confisa figurae,<br/>
			infelix Lethaea, tuae, iunctissima quondam<br/>
			pectora, nunc lapides, quos umida sustinet Ide.<br/>
			orantem frustraque iterum transire volentem<br/>
			portitor arcuerat: septem tamen ille diebus<br/>
			squalidus in ripa Cereris sine munere sedit;<br/>
			cura dolorque animi lacrimaeque alimenta fuere.<br/>
			esse deos Erebi crudeles questus, in altam<br/>
			se recipit Rhodopen pulsumque aquilonibus Haemum.	
		</latin>
	</section>
	<section from="78" to="105">
		
		<latin>
			Tertius aequoreis inclusum Piscibus annum<br/>
			finierat Titan, omnemque refugerat Orpheus<br/>
			femineam Venerem, seu quod male cesserat illi, <br/>
			sive fidem dederat; multas tamen ardor habebat<br/>
			iungere se vati, multae doluere repulsae.<br/>
			ille etiam Thracum populis fuit auctor amorem<br/>
			in teneros transferre mares citraque iuventam<br/>
			aetatis breve ver et primos carpere flores.<br/>
			Collis erat collemque super planissima campi<br/>
			area, quam viridem faciebant graminis herbae:<br/>
			umbra loco deerat; qua postquam parte resedit<br/>
			dis genitus vates et fila sonantia movit,<br/>
			umbra loco venit: non Chaonis afuit arbor,<br/>
			non nemus Heliadum, non frondibus aesculus altis,<br/>
			nec tiliae molles, nec fagus et innuba laurus,<br/>
			et coryli fragiles et fraxinus utilis hastis<br/>
			enodisque abies curvataque glandibus ilex<br/>
			et platanus genialis acerque coloribus inpar <br/>
			amnicolaeque simul salices et aquatica lotos<br/>
			perpetuoque virens buxum tenuesque myricae<br/>
			et bicolor myrtus et bacis caerula tinus.<br/>
			vos quoque, flexipedes hederae, venistis et una<br/>
			pampineae vites et amictae vitibus ulmi<br/>
			ornique et piceae pomoque onerata rubenti<br/>
			arbutus et lentae, victoris praemia, palmae<br/>
			et succincta comas hirsutaque vertice pinus,<br/>
			grata deum matri, siquidem Cybeleius Attis<br/>
			exuit hac hominem truncoque induruit illo.
		</latin>
	</section>

</text>
</translation>