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<description>
	<author>Vergil</author>
	<title>Aeneis III</title>
	<snippet>Verse 1-293</snippet>
	<translator>Rainer Lohmann</translator>
	<textkind>poetry</textkind>
	<firstnumber>1</firstnumber>
	<navigation>
		<previous url="intro.html">Aeneis III Einführung</previous>
		<next url="einheit_2.xml">Verse 294 bis 505</next>
	</navigation>
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<text>

	<section from="1" to="12">
		<german>
			Nachdem die Götter beschlossen hatten, das Königreich Asien und das Volk des Priamus schuldlos zu zerstören, das stolze Ilion gefallen war und das ganze Troja Neptuns rauchend am Boden lag, wurden wir durch göttliche Wahrzeichen getrieben, verschiedene Zufluchtsstätten und verlassene Länder aufzusuchen, eine Flotte bauten wir unmittelbar bei Antandros und am Fuße des phrygischen Idagebirges, ohne zu wissen, wohin das Schicksal uns bringt, wo zur Ruhe zu kommen uns vergönnt ist, und zogen die Männer zusammen. Kaum hatte der frühe Sommer begonnen und Vater Anchises befahl die Segel dem Schicksal anzuvertrauen, als ich weinend die Küsten des Vaterlandes, die Häfen und Felder verließ, wo Troja einst stand. Heimatlos trieb ich auf der hohen See dahin mit meinen Gefährten und meinem Sohn, den Penaten und den erhabenen Göttern. 
		</german>
		<latin>
			Postquam res Asiae Priamique euertere gentem<br/>
			immeritam uisum superis, ceciditque superbum<br/>
			Ilium et omnis humo fumat Neptunia Troia,<br/>
			diuersa exsilia et desertas quaerere terras<br/>
			auguriis agimur diuum, classemque sub<br/>
			Antandro et Phrygiae molimur montibus Idae,<br/>
			incerti quo fata ferant, ubi sistere detur,<br/>
			contrahimusque uiros. uix prima inceperat aestas<br/>
			et pater Anchises dare fatis uela iubebat,<br/>
			litora cum patriae lacrimans portusque<br/>
			et campos ubi Troia fuit. feror exsul in altum<br/>
			cum sociis natoque penatibus et magnis dis.
		</latin>
	</section>
	<section from="13" to="18">
		<german>
			Dort liegt in der Ferne ein Land des Mars mit ungeheuer großen Feldern (die Thraker pflügen), das einst vom energischen Lycurgus beherrscht wurde, ein alter Ort der Freundschaft für Troja, mit verbündeten Göttern, solange das Glück herrschte. Ich fuhr hierher und am gekrümmten Gestade errichtete ich die ersten Mauern, nachdem ich unter einem ungünstigen Schicksal an Land gegangen war, und ich prägte den Namen Aeneaden entsprechend meinem Namen.
		</german>
		<latin>
			Terra procul uastis colitur Mauortia campis<br/>
			(Thraces arant) acri quondam regnata Lycurgo,<br/>
			hospitium antiquum Troiae sociique penates<br/>
			dum fortuna fuit. feror huc et litore curuo<br/>
			moenia prima loco fatis ingressus iniquis<br/>
			Aeneadasque meo nomen de nomine fingo.
		</latin>
	</section>

	<section from="19" to="68">
		<german>
			Opfer brachte ich der dionäischen Mutter dar und den Göttern, die über begonnene Unternehmungen wachen, und für den oberen König der Götter schlachtete ich am Gestade einen glänzenden Stier. Zufällig war ein Hügel in der Nähe, auf dessen Spitze Kornelkirschgebüsch wuchs und ein Myrtenbaum, der vor dichten Zweigen starrte. Ich trat hinzu und versuchte, das grüne Gebüsch aus dem Boden herauszureißen, um die Altäre mit belaubten Ästen zu bedecken, und ich sah ein schreckliches und erstaunliches Wunderzeichen. Denn demjenigen Baum, der als erster aus dem Erdboden mit gebrochenen Wurzeln herausgerissen wurde, entströmten Tropfen schwarzen Blutes und befleckten die Erde mit Eiter. Kaltes Entsetzen schüttelte meine Glieder und starr vor kaltem Schauer gerann mein Blut. Von neuem machte ich mich daran, eine biegsame Rute auch des anderen herauszureißen und die verborgenen Ursachen gründlich zu untersuchen: Schwarzes Blut folgte auch aus der Rinde des anderen. Vieles bedenkend flehte ich zu den ländlichen Nymphen und zum Vater Gradivus, der die getischen Gefilde schützt, sie möchten gehörig die Erscheinungen zum Guten wenden und die schlimme Vorbedeutung mildern. Aber nachdem ich ein drittes Gebüsch mit noch größerer Anstrengung ergriffen und mich mit den Knien auf den sandigen Boden gestemmt hatte (soll ich aussprechen oder schweigen?), wurde ein klägliches Seufzen aus der Tiefe des Hügels gehört und eine Antwort drang an meine Ohren: "Weshalb zerfleischst du einen Unglücklichen, Aeneas? Schone jetzt den Begrabenen, lasse davon ab, rechtschaffene Hände durch Frevel zu beflecken. Nicht als Fremden hat mich Troja für dich hervorgebracht und dieses Blut fließt nicht aus einem Baumstamm. Ach, entfliehe dem schrecklichen Land, entfliehe dem gierigen Gestade: Denn Polydorus bin ich. Hier bedeckte mich durchbohrt eine eiserne Saat von Pfeilen und sie schoss auf zu spitzen Schäften." Dann aber von ungewissem Schrecken bedrückt erstarrte ich, die Haare standen mir zu Berge und meine Stimme blieb mir in der Kehle stecken. 
			Diesen Polydorus hatte einst mit einer großen Menge Gold der unglückliche Priamus heimlich dem thrakischen König zur Pflege anvertraut, als er schon den Waffen Trojas misstraute und sah, dass die Stadt durch Belagerung eingeschlossen wurde. Sobald die Macht der Trojaner gebrochen und das Glück geschwunden war, verletzte jener, nachdem er sich Agamemnon und den siegreichen Waffen gefügt hatte, alles Recht: Polydorus haute er nieder und bemächtigte sich gewaltsam des Goldes. Wozu zwingst du nicht die sterblichen Herzen, verfluchter Hunger nach Gold! Nachdem das Entsetzen mein Innerstes verlassen hatte, berichtete ich den ausgewählten Vornehmsten des Volkes und zuerst meinem Vater über die Wunderzeichen der Götter und fragte sie nach ihrer Meinung. Alle hatten dieselbe Absicht, aus dem verbrecherischen Land zu gehen, die entweihte Stätte der Gastfreundschaft zu verlassen und mit der Flotte abzufahren. Also erneuerten wir für Polydorus das Leichenbegräbnis: Und Erdreich in Massen wurde auf den Grabhügel gehäuft; Altäre standen da für seinen Totengeist, zum Zeichen der Trauer mit dunklen Binden und düsteren Zypressenzweigen belegt, und ringsherum waren troische Frauen, das Haar, wie es ihre Art ist, gelöst; wir opferten von lauwarmer Milch schäumende Becher und Schalen heiligen Blutes, seinen Geist brachten wir durch die Bestattung zur Ruhe und riefen ihm mit lauter Stimme den letzten Gruß zu.
		</german>
		<latin>
			sacra Dionaeae matri diuisque ferebam<br/>
			auspicibus coeptorum operum, superoque nitentem<br/>
			caelicolum regi mactabam in litore taurum.<br/>
			forte fuit iuxta tumulus, quo cornea summo<br/>
			uirgulta et densis hastilibus horrida myrtus.<br/>
			accessi uiridemque ab humo conuellere siluam<br/>
			conatus, ramis tegerem ut frondentibus aras, <br/>
			horrendum et dictu uideo mirabile monstrum.<br/>
			nam quae prima solo ruptis radicibus arbos<br/>
			uellitur, huic atro liquuntur sanguine guttae<br/>
			et terram tabo maculant. mihi frigidus horror<br/>
			membra quatit gelidusque coit formidine sanguis.<br/>
			rursus et alterius lentum conuellere uimen<br/>
			insequor et causas penitus temptare latentis;<br/>
			ater et alterius sequitur de cortice sanguis.<br/>
			multa mouens animo Nymphas uenerabar agrestis<br/>
			Gradiuumque patrem, Geticis qui praesidet aruis,<br/>
			rite secundarent uisus omenque leuarent.<br/>
			tertia sed postquam maiore hastilia nisu<br/>
			adgredior genibusque aduersae obluctor harenae,<br/>
			(eloquar an sileam?) gemitus lacrimabilis imo<br/>
			auditur tumulo et uox reddita fertur ad auris:<br/>
			'quid miserum, Aenea, laceras? iam parce sepulto,<br/>
			parce pias scelerare manus. non me tibi Troia<br/>
			externum tulit aut cruor hic de stipite manat.<br/>
			heu fuge crudelis terras, fuge litus auarum:<br/>
			nam Polydorus ego. hic confixum ferrea texit<br/>
			telorum seges et iaculis increuit acutis.'<br/>
			tum uero ancipiti mentem formidine pressus<br/>
			obstipui steteruntque comae et uox faucibus haesit.<br/>
			Hunc Polydorum auri quondam cum pondere magno<br/>
			infelix Priamus furtim mandarat alendum<br/>
			Threicio regi, cum iam diffideret armis<br/>
			Dardaniae cingique urbem obsidione uideret.<br/>
			ille, ut opes fractae Teucrum et Fortuna recessit,<br/>
			res Agamemnonias uictriciaque arma secutus<br/>
			fas omne abrumpit: Polydorum obtruncat, et auro<br/>
			ui potitur. quid non mortalia pectora cogis,<br/>
			auri sacra fames! postquam pauor ossa reliquit,<br/>
			delectos populi ad proceres primumque parentem<br/>
			monstra deum refero, et quae sit sententia posco.<br/>
			omnibus idem animus, scelerata excedere terra,<br/>
			linqui pollutum hospitium et dare classibus Austros.<br/>
			ergo instauramus Polydoro funus, et ingens<br/>
			aggeritur tumulo tellus; stant Manibus arae<br/>
			caeruleis maestae uittis atraque cupresso,<br/>
			et circum Iliades crinem de more solutae;<br/>
			inferimus tepido spumantia cymbia lacte<br/>
			sanguinis et sacri pateras, animamque sepulcro<br/>
			condimus et magna supremum uoce ciemus.
		</latin>
	</section>
	<section from="69" to="83">
		<german>
			Von dort ließen, als man dem Meer vertrauen konnte, die Winde das Meer beruhigten und ein sanft wehender Wind auf das Meer lockte, die Gefährten die Schiffe in See stechen und füllten das Gestade. Wir fuhren aus dem Hafen und Länder und Städte entschwanden. Mitten auf dem Meer wurde ein heiliges Land bewohnt, der Mutter der Nereïden und dem ägäischen Neptun lieb und wert, das der bogenführende Gott pflichtmäßig, während es um Küsten und Gestade herumtrieb, an dem hohen Myconos  und an Gyarus festband und dem, unbeweglich geworden, er gewährte, dass es bewohnt wurde und die Winde es verachteten. Hierher wurde ich getrieben: Dieses Land nahm sehr still mit seinem sicheren Hafen die Ermüdeten auf. Nachdem wir an Land gegangen waren, bezeugten wir der Stadt Apolls unsere Verehrung. König Anius, zugleich König über die Menschen und ein Priester des Phoebus, eilte uns entgegen, die Schläfen mit Binden und heiligem Lorbeer bekränzt; seinen alten Freund Anchises erkannte er. Wir schüttelten nach gastlichem Brauch die Hände und betraten die Häuser. 
		</german>
		<latin>
			Inde ubi prima fides pelago, placataque uenti<br/>
			dant maria et lenis crepitans uocat Auster in altum,<br/>
			deducunt socii nauis et litora complent;<br/>
			prouehimur portu terraeque urbesque recedunt.<br/>
			sacra mari colitur medio gratissima tellus<br/>
			Nereidum matri et Neptuno Aegaeo,<br/>
			quam pius arquitenens oras et litora circum<br/>
			errantem Mycono e celsa Gyaroque reuinxit,<br/>
			immotamque coli dedit et contemnere uentos.<br/>
			huc feror, haec fessos tuto placidissima portu<br/>
			accipit; egressi ueneramur Apollinis urbem.<br/>
			rex Anius, rex idem hominum Phoebique sacerdos,<br/>
			uittis et sacra redimitus tempora lauro<br/>
			occurrit; ueterem Anchisen agnouit amicum.<br/>
			iungimus hospitio dextras et tecta subimus.
		</latin>
	</section>
	<section from="84" to="120">
		<german>
			Die Tempel des Gottes, die auf einem alten Felsen errichtet waren, verehrte ich: "Gib uns eine eigene Heimat, Apollo von Thymbra; gib den Ermüdeten eine Stadtmauer, ein Geschlecht und eine bleibende Stadt; bewahre die andere Burg Trojas, die Überreste, welche die Griechen und der grimmige Achill zurückgelassen haben. Wem folgen wir? Oder wohin befiehlst du uns zu gehen? Wo unsere Wohnsitze zu errichten? Gib uns, Vater, ein Wahrzeichen und senke dich ein in unsere Herzen."
			Kaum hatte ich dieses gesagt, da schien plötzlich alles zu beben, die Schwellen und der Lorbeer des Gottes,  der gesamte Berg ringsum sich zu bewegen und das Gefäß im geöffneten Allerheiligsten des Tempels zu erdröhnen. Demütig warfen wir uns zu Boden und eine Stimme drang an unsere Ohren: "Ausdauernde Söhne des Dardanus, dasselbe Land, das euch als erstes hervorgebracht hat vom Ursprung der Ahnen, wird euch, wenn ihr zurückkehrt, mit reicher Fruchtbarkeit aufnehmen. Sucht die alte Mutter auf. Hier wird das Geschlecht des Aeneas über alle Küsten herrschen, die Kinder der Kinder und diejenigen, die von jenen geboren werden." Dieses sprach Phoebus; und lärmend erhob sich eine gewaltige Freude, und alle fragten, was diese Stadt sei, wohin Phoebus die Umherirrenden rufe und zurückzukehren befehle. Dann sagte der Vater, die Überlieferungen der alten Männer erwägend: "Hört, ihr Vornehmen, und lernt eure Hoffnungen kennen. Mitten im Meer liegt die Insel des erhabenen Jupiter, Creta, wo sich der Berg Ida befindet und die Heimat unseres Volkes. Einhundert große Städte bewohnen sie, üppigste Königreiche, von wo der Ahnherr Teucrus, falls ich mich an das Gehörte richtig erinnere, in grauer Vorzeit zu den rhöteischen Küsten segelte, und er wählte einen Platz für sein Königreich aus. Noch nicht standen Ilion und die trojanischen Burgen; sie wohnten in Talgründen. Von hier kam die Mutter, die Bewohnerin des Berges Cybele, die Becken der Corybanten und der Hain des Idagebirges, von hier das bei den Opferhandlungen der Mysterien streng bewahrte Schweigen und die Löwen, die unter das Joch des Wagens der Herrin gespannt wurden. Also wohlan denn! Lasst uns folgen, wohin die Befehle der Götter uns führen; lasst uns die Winde besänftigen und die gnosischen Königreiche ansteuern. Und sie sind nicht durch eine lange Fahrt entfernt: Wenn nur Jupiter uns beisteht, der dritte Tag wird die Flotte an Kretas Küsten vor Anker gehen lassen." Nachdem er so gesprochen hatte, schlachtete er auf den Altären die gebührenden Opfer, einen Stier für Neptun, einen Stier für dich, schöner Apoll, ein schwarzes Schaf für Hiems und für die günstigen Zephyre ein weißes.
		</german>
		<latin>
			Templa dei saxo uenerabar structa uetusto:<br/>
			'da propriam, Thymbraee, domum; da moenia fessis<br/>
			et genus et mansuram urbem; serua altera Troiae<br/>
			Pergama, reliquias Danaum atque immitis Achilli.<br/>
			quem sequimur? quoue ire iubes? ubi ponere sedes?<br/>
			da, pater, augurium atque animis inlabere nostris.'<br/>
			uix ea fatus eram: tremere omnia uisa repente,<br/>
			liminaque laurusque dei, totusque moueri<br/>
			mons circum et mugire adytis cortina reclusis.<br/>
			summissi petimus terram et uox fertur ad auris:<br/>
			'Dardanidae duri, quae uos a stirpe parentum<br/>
			prima tulit tellus, eadem uos ubere laeto<br/>
			accipiet reduces. antiquam exquirite matrem.<br/>
			hic domus Aeneae cunctis dominabitur oris<br/>
			et nati natorum et qui nascentur ab illis.'<br/>
			haec Phoebus; mixtoque ingens exorta tumultu<br/>
			laetitia, et cuncti quae sint ea moenia quaerunt,<br/>
			quo Phoebus uocet errantis iubeatque reuerti.<br/>
			tum genitor ueterum uoluens monimenta uirorum<br/>
			'audite, o proceres,' ait 'et spes discite uestras.<br/>
			Creta Iouis magni medio iacet insula ponto,<br/>
			mons Idaeus ubi et gentis cunabula nostrae.<br/>
			centum urbes habitant magnas, uberrima regna,<br/>
			maximus unde pater, si rite audita recordor,<br/>
			Teucrus Rhoeteas primum est aduectus in oras,<br/>
			optauitque locum regno. nondum Ilium et arces<br/>
			Pergameae steterant; habitabant uallibus imis.<br/>
			hinc mater cultrix Cybeli Corybantiaque aera<br/>
			Idaeumque nemus, hinc fida silentia sacris,<br/>
			et iuncti currum dominae subiere leones.<br/>
			ergo agite et diuum ducunt qua iussa sequamur:<br/>
			placemus uentos et Cnosia regna petamus.<br/>
			nec longo distant cursu: modo Iuppiter adsit,<br/>
			tertia lux classem Cretaeis sistet in oris.'<br/>
			sic fatus meritos aris mactauit honores,<br/>
			taurum Neptuno, taurum tibi, pulcher Apollo,<br/>
			nigram Hiemi pecudem, Zephyris felicibus albam.
		</latin>
	</section>
	<section from="121" to="134">
		<german>
			Das Gerücht ging herum, dass der Führer Idomeneus verjagt und aus dem Königreich seiner Vorfahren weggegangen sei, dass die Küstenstreifen Kretas verlassen, die Heimat dort vom Feind frei sei und die Wohnsitze zurückgelassen bereitständen. Wir verließen Ortygias Häfen und eilten über das Meer dahin, wir ließen das auf seinen Bergrücken durchschwärmte Naxos hinter uns, das grüne Donusa, Olearus, das weiße Paros und die über das Meer verstreuten Kykladen, und wir fuhren durch die Fluten, die mit zahlreichen Eilanden bepflanzt waren. Es erhob sich das Geschrei der Seeleute im wechselseitigen Wettstreit; die Besatzung mahnte: "Lasst uns Kurs auf Kreta und unsere Vorfahren nehmen." Ein Wind, der sich vom Heck her erhob, geleitete die Fahrenden, und schließlich landeten wir an den alten Küsten der Kureten. Also errichtete ich eifrig die Mauern der ersehnten Stadt und nannte sie Pergamum, und ich mahnte das über seinen Namen erfreute Volk, seine Häuser zu lieben und die Burg durch Bauten zu erhöhen.
		</german>
		<latin>
			Fama uolat pulsum regnis cessisse paternis<br/>
			Idomenea ducem, desertaque litora Cretae,<br/>
			hoste uacare domum sedesque astare relictas.<br/>
			linquimus Ortygiae portus pelagoque uolamus<br/>
			bacchatamque iugis Naxon uiridemque Donusam,<br/>
			Olearon niueamque Paron sparsasque per aequor<br/>
			Cycladas, et crebris legimus freta concita terris.<br/>
			nauticus exoritur uario certamine clamor:<br/>
			hortantur socii Cretam proauosque petamus.<br/>
			prosequitur surgens a puppi uentus euntis,<br/>
			et tandem antiquis Curetum adlabimur oris.<br/>
			ergo auidus muros optatae molior urbis<br/>
			Pergameamque uoco, et laetam cognomine gentem<br/>
			hortor amare focos arcemque attollere tectis.
		</latin>
	</section>
	<section from="135" to="191">
		<german>
			Und fast schon waren am trockenen Gestade die Schiffe an Land gezogen; mit den neuen Vermählungen und Gefilden war die Jugend beschäftigt; Rechtssprüche erteilte ich und gab Häuser: als plötzlich die Himmelsgegend verpestet war und auf unsere Körper, auf die Bäume und Saaten eine verheerende und beklagenswerte Seuche herabkam und eine todbringende Jahreszeit. Die Menschen hauchten das süße Leben aus oder schleppten ihre kranken Körper dahin; dann verbrannte der Hundsstern die Äcker, so dass sie unfruchtbar wurden, die Wiesen waren trocken und die befallene Saat verweigerte die Nahrung. Von neuem mahnte uns der Vater, nachdem wir das Meer duchmessen hätten, zum Orakel von Ortygien und zu Phoebus zu gehen und um einen gnädigen Bescheid zu bitten, welches Ende er dem Zustand der Erschöpfung setze, woher er Hilfe für unsere Strapazen zu erstreben, wohin er den Kurs zu lenken befehle.
			Nacht war es und der Schlaf hatte die Lebewesen auf Erden ergriffen: Die heiligen Bilder der Götter und die trojanischen Penaten, die ich mit mir aus Troja und mitten aus dem Brand der Stadt hinausgebracht hatte, schienen vor meinen Augen, die im Schlaf lagen, dazustehen, durch das helle Licht erkennbar, wo sich der volle Mond ausbreitete durch die in die Wand eingelassenen Fenster hindurch; dann schienen sie mich anzusprechen und meine Sorgen mit folgenden Worten wegzunehmen: "Was Apollon dir zu sagen beabsichtigt, sobald du nach Delos gelangt bist, prophezeit er dir hier und siehe, aus freien Stücken schickt er uns zu deinem Haus. Wir sind, nachdem Troja in Brand geraten war, dir und deinen Waffen gefolgt, wir haben unter deiner Führung das aufgewühlte Meer mit Flotten durchfahren, ebenso werden wir die kommenden Enkel zu den Gestirnen emporheben und der Stadt die Herrschaft geben. Mächtige Mauern baue du für die Mächtigen und scheue nicht die lang andauernde Anstrengung der Flucht. Die Wohnsitze müssen gewechselt werden: Der Delier Apollo hat dir diese Gestade nicht empfohlen oder dich beauftragt dich auf Creta niederzulassen. Es ist ein Ort, die Griechen nennen ihn Hesperia, ein altes Land, mächtig durch Waffen und Fruchtbarkeit des Ackerbodens; italische Männer bewohnten ihn; nun geht die Sage, dass die Jüngeren ihre Nation nach dem Namen ihres Anführers Italien genannt haben: Diese Wohnsitze waren uns eigen, von hier stammten Vater Dardanus und Iasius, der Ahnherr unseres Geschlechtes. Wohlan, erhebe dich und berichte freudig deinem hochbetagten Vater diese Worte, die nicht angezweifelt werden dürfen: Corytus und die ausonischen Länder soll er aufsuchen: Die diktaeischen Gefilde versagt dir Jupiter." Durch solche Traumbilder und durch die Stimme der Götter erschüttert (jenes war kein tiefer Schlaf, sondern ich schien deutlich ihre Gesichter, ihre mit Binden umwundenen Haare und ihre leibhaftige Gestalt zu erkennen; dann rann kalter Schweiß von meinem ganzen Körper) raffte ich mich von meinem Lager auf, streckte mit Worten meine nach oben gekehrten Hände zum Himmel aus und makellose Gaben opferte ich an den Feuerstellen. Nachdem ich die Opferhandlung ausgeführt hatte, benachrichtigte ich freudig Anchises und legte den Vorgang der Reihe nach dar. Er erkannte die zweifache Abkunft und die beiden Stammväter und dass er durch eine neue Irreführung über alte Länder getäuscht worden sei. Dann erzählte er: "Mein Sohn, der du durch das Schicksal Trojas hart geprüft worden bist, allein Cassandra weissagte mir solches Unheil. Nun erinnere ich mich, dass sie prophezeite, dass diese Geschehnisse unserem Volk geschuldet waren, und sie oft über Hesperia, oft über das italische Königreich sprach. Aber wer hätte glauben können, dass die Trojaner zu den Küsten Hesperiens gelangen werden? Oder wen hätte damals die Seherin Cassandra beeindrucken können? Lasst uns Phoebus nachgeben und auf seine Weisung dem Besseren folgen." So sprach er, und wir alle gehorchten unter Jubel seinem Wort. Auch diesen Wohnsitz verließen wir, und nachdem wir wenige zurückgelassen hatten, segelten wir ab und befuhren mit einem Schiff das weite Meer.
		</german>
		<latin>
			Iamque fere sicco subductae litore puppes,<br/>
			conubiis aruisque nouis operata iuuentus,<br/>
			iura domosque dabam, subito cum tabida membris<br/>
			corrupto caeli tractu miserandaque uenit<br/>
			arboribusque satisque lues et letifer annus.<br/>
			linquebant dulcis animas aut aegra trahebant<br/>
			corpora; tum sterilis exurere Sirius agros,<br/>
			arebant herbae et uictum seges aegra negabat.<br/>
			rursus ad oraclum Ortygiae Phoebumque remenso<br/>
			hortatur pater ire mari ueniamque precari,<br/>
			quam fessis finem rebus ferat, unde laborum<br/>
			temptare auxilium iubeat, quo uertere cursus.<br/>
			Nox erat et terris animalia somnus habebat:<br/>
			effigies sacrae diuum Phrygiique penates,<br/>
			quos mecum a Troia mediisque ex ignibus urbis<br/>
			extuleram, uisi ante oculos astare iacentis<br/>
			in somnis multo manifesti lumine, qua se<br/>
			plena per insertas fundebat luna fenestras;<br/>
			tum sic adfari et curas his demere dictis:<br/>
			'quod tibi delato Ortygiam dicturus Apollo est,<br/>
			hic canit et tua nos en ultro ad limina mittit.<br/>
			nos te Dardania incensa tuaque arma secuti,<br/>
			nos tumidum sub te permensi classibus aequor,<br/>
			idem uenturos tollemus in astra nepotes<br/>
			imperiumque urbi dabimus. tu moenia magnis<br/>
			magna para longumque fugae ne linque laborem.<br/>
			mutandae sedes. non haec tibi litora suasit<br/>
			Delius aut Cretae iussit considere Apollo.<br/>
			est locus, Hesperiam Grai cognomine dicunt,<br/>
			terra antiqua, potens armis atque ubere glaebae;<br/>
			Oenotri coluere uiri; nunc fama minores<br/>
			Italiam dixisse ducis de nomine gentem.<br/>
			hae nobis propriae sedes, hinc Dardanus ortus<br/>
			Iasiusque pater, genus a quo principe nostrum.<br/>
			surge age et haec laetus longaeuo dicta parenti<br/>
			haud dubitanda refer: Corythum terrasque requirat<br/>
			Ausonias; Dictaea negat tibi Iuppiter arua.'<br/>
			talibus attonitus uisis et uoce deorum<br/>
			(nec sopor illud erat, sed coram agnoscere uultus<br/>
			uelatasque comas praesentiaque ora uidebar;<br/>
			tum gelidus toto manabat corpore sudor)<br/>
			corripio e stratis corpus tendoque supinas<br/>
			ad caelum cum uoce manus et munera libo<br/>
			intemerata focis. perfecto laetus honore<br/>
			Anchisen facio certum remque ordine pando.<br/>
			agnouit prolem ambiguam geminosque parentis,<br/>
			seque nouo ueterum deceptum errore locorum.<br/>
			tum memorat: 'nate, Iliacis exercite fatis,<br/>
			sola mihi talis casus Cassandra canebat.<br/>
			nunc repeto haec generi portendere debita nostro<br/>
			et saepe Hesperiam, saepe Itala regna uocare.<br/>
			sed quis ad Hesperiae uenturos litora Teucros<br/>
			crederet? aut quem tum uates Cassandra moueret?<br/>
			cedamus Phoebo et moniti meliora sequamur.'<br/>
			sic ait, et cuncti dicto paremus ouantes.<br/>
			hanc quoque deserimus sedem paucisque relictis<br/>
			uela damus uastumque caua trabe currimus aequor.
		</latin>
	</section>
	<section from="192" to="208">
		<german>
			Nachdem die Schiffe die hohe See erreicht hatten und sich nicht mehr länger irgendwelche Länder zeigten, es überall nur Himmel und überall nur Meer gab, da blieb eine dunkle Gewitterwolke über meinem Haupt stehen und brachte Nacht und Sturm, und in der Dunkelheit wurden rau die Wellen. Sofort wühlten die Winde das Meer auf und es erhoben sich gewaltige Fluten, wir wurden zerstreut und trieben auf dem weiten Meer hin und her; Wolken hüllten den Tag ein und eine feuchte Nacht ließ den Himmel verschwinden, es verdoppelten sich die Blitze aus den berstenden Wolken. Wir wurden von unserem Kurs abgebracht und irrten blind auf den Wogen umher. Selbst Palinurus sagte, er könne Tag und Nacht am Himmel nicht unterscheiden und erinnere sich mitten auf dem Meer nicht an den Weg. Volle drei Tage, die infolge der schwarzen Dunkelheit unsicher waren, irrten wir auf dem Meer umher, ebenso viele Nächte ohne einen Stern. Am vierten Tag schließlich schien sich erstmalig Land zu erheben, schien es Berge in der Ferne zu zeigen und Rauch aufsteigen zu lassen. Die Segel fielen, wir legten uns in die Ruder; unverzüglich wühlten die Seeleute mit all ihrer Kraft Schaum auf und fegten über die blauschwarzen Fluten. 
		</german>
		<latin>
			Postquam altum tenuere rates nec iam amplius ullae<br/>
			apparent terrae, caelum undique et undique pontus,<br/>
			tum mihi caeruleus supra caput astitit imber<br/>
			noctem hiememque ferens, et inhorruit unda tenebris.<br/>
			continuo uenti uoluunt mare magnaque surgunt<br/>
			aequora, dispersi iactamur gurgite uasto;<br/>
			inuoluere diem nimbi et nox umida caelum<br/>
			abstulit, ingeminant abruptis nubibus ignes,<br/>
			excutimur cursu et caecis erramus in undis.<br/>
			ipse diem noctemque negat discernere caelo<br/>
			nec meminisse uiae media Palinurus in unda.<br/>
			tris adeo incertos caeca caligine soles<br/>
			erramus pelago, totidem sine sidere noctes.<br/>
			quarto terra die primum se attollere tandem<br/>
			uisa, aperire procul montis ac uoluere fumum.<br/>
			uela cadunt, remis insurgimus; haud mora, nautae<br/>
			adnixi torquent spumas et caerula uerrunt.
		</latin>
	</section>
	<section from="209" to="277">
		<german>
			Gerettet aus den Wogen nahm mich zuerst das Gestade der Strophaden auf. Mit ihrem griechischen Namen Strophaden genannt, stehen die Inseln fest im großen Ionischen Meer, welche die schreckliche Celaeno und die anderen Harpyien bewohnen, nachdem das Haus des Phineus für sie verschlossen war und sie aus Furcht die früheren Tische verlassen hatten. Kein unheilvolleres Scheusal als jene und keine heftigere Plage und Ausgeburt des Götterzornes haben sich jemals aus den Wogen der Styx erhoben. Es waren Vögel mit den Gesichtern von Mädchen, äußerst scheußlich war der Unrat ihres Magens, hakenförmig waren ihre Hände und immer bleich vor Hunger ihre Gesichter. Als wir hierher verschlagen worden waren und die Häfen erreicht hatten, siehe da, erblickten wir überall auf den Feldern prächtige Rinderherden und von Ziegen stammendes Vieh ohne Hüter im Gras. Wir stürzten los mit dem Schwert und luden die Götter und Jupiter selbst zur Teilnahme an der Beute ein; dann bauten wir am gekrümmten Gestade Lager auf und verzehrten die leckersten Speisen. Aber plötzlich waren die Harpyien in einem schauerlichen Flug von den Bergen herab zugegen, mit lautem Geschrei schlugen sie ihre Flügel, plünderten die Speisen und besudelten alles durch ihre unreine Berührung; dann war eine schreckliche Stimme bei ekelhaftem Geruch vernehmbar. Von neuem stellten wir fern in der Schlucht unter einem ausgehöhlten Felsen [ringsum von Bäumen und düsteren Schatten eingeschlossen] Tische auf und entzündeten wieder das Feuer auf den Altären; von neuem umflog aus einem anderen Teil des Himmels und einem finsteren Versteck eine donnernde Schar die Beute mit ihren gekrümmten Füßen und besudelte die Speisen mit ihrem Maul. Dann befahl ich meinen Gefährten die Waffen zu ergreifen und den Krieg gegen das schreckliche Volk zu führen. Nicht anders als befohlen machten sie es, sie versteckten ihre Schwerter außerhalb der Sichtweite im Gras und entzogen ihre Schilde dem Blick. Sobald sie [sc. die Harpyien] also heruntergekommen waren und das gekrümmte Gestade entlang Lärm erzeugt hatten, gab Misenus von einem hohen Beobachtungsposten aus mit seiner Tuba ein Zeichen. Die Gefährten griffen an und wagten seltsame Kämpfe, die ekelhaften Vögel des Meeres mit dem Eisen zu verunstalten. Aber weder fühlten sie irgendeinen Hieb auf ihren Federn noch Wunden auf ihrem Rücken, in schneller Flucht entschwanden sie zu den Gestirnen empor und ließen die halbverzehrte Beute und grässliche Spuren zurück. Als einzige ließ sich hoch oben auf dem Felsen Celaeno nieder, eine Unheil bringende Seherin, und sie stieß aus ihrer Brust folgenden Schrei hervor: "Sogar einen Krieg für die getöteten Rinder und die erlegten Jungkühe, ihr Söhne Laomedons, einen Krieg zu beginnen schickt ihr euch an und die unschuldigen Harpyien aus ihrem heimischen Reich zu vertreiben? Vernehmt also diese meine Worte und prägt sie euch fest ein, die dem Phoebus der allmächtige Vater, mir Phoebus Apollo vorausgesagt hat, die ich als die erste unter den Furien euch eröffne. Italien steuert ihr an, und ihr werdet, nachdem ihr die Winde angerufen habt, nach Italien fahren, und es wird euch möglich sein, in die Häfen einzulaufen. Aber nicht eher werdet ihr die euch geschenkte Stadt mit einer Mauer umgeben, bis euch entsetzlicher Hunger und das Unrecht des an uns versuchten Mordes zwingen, die angenagten Tische mit den Zähnen zu verzehren." So sprach sie und flüchtete sich, von ihren Flügeln fortgetragen, in den Wald. Aber den Kameraden erstarrte durch den plötzlichen Schrecken das Blut zu Eis: Es schwand ihr Mut und nicht mehr länger mit Waffen, sondern mit Gelübden und Gebeten befahlen sie den Frieden zu erbitten, sei es, dass sie Göttinnen, sei es, dass sie schreckliche und scheußliche Vögel seien. Und Vater Anchises flehte mit vom Gestade her ausgestreckten Händen zu den erhabenen Göttern und kündigte die geschuldeten Opfer an: "Ihr Götter, haltet eure Drohungen fern; ihr Götter, wendet ein solches Unheil ab und rettet gnädig die Rechtschaffenen." Dann befahl er das Haltetau vom Gestade loszureißen und die Segeltaue schüttelnd zu lösen. Die Südwinde schwellten die Segel: Wir machten uns auf und davon auf den schäumenden Wogen, wohin Wind und Steuermann die Fahrt lenkten. Schon zeigte sich mitten auf dem Meer das waldreiche Zacynthos, Dulichium, Same und Neritos mit seinen schroffen Felsen. Wir entkamen den Klippen Ithakas, dem Königreich des Laertes, und wir verfluchten das Land, das den grausamen Odysseus ernährt hat. Bald wurden die in Wolken gehüllten Gipfel des Leucategebirges sichtbar und der von den Seeleuten gefürchtete Apollontempel. Auf diesen fuhren wir ermüdet zu und legten an unter einer kleinen Stadt; der Anker wurde vom Bug aus geworfen, es lagen die Schiffe am Strand.
		</german>
		<latin>
			seruatum ex undis Strophadum me litora primum<br/>
			excipiunt. Strophades Graio stant nomine dictae<br/>
			insulae Ionio in magno, quas dira Celaeno<br/>
			Harpyiaeque colunt aliae, Phineia postquam<br/>
			clausa domus mensasque metu liquere priores.<br/>
			tristius haud illis monstrum, nec saeuior ulla<br/>
			pestis et ira deum Stygiis sese extulit undis.<br/>
			uirginei uolucrum uultus, foedissima uentris<br/>
			proluuies uncaeque manus et pallida semper<br/>
			ora fame.<br/>
			huc ubi delati portus intrauimus, ecce<br/>
			laeta boum passim campis armenta uidemus<br/>
			caprigenumque pecus nullo custode per herbas.<br/>
			inruimus ferro et diuos ipsumque uocamus<br/>
			in partem praedamque Iouem; tum litore curuo<br/>
			exstruimusque toros dapibusque epulamur opimis.<br/>
			at subitae horrifico lapsu de montibus adsunt<br/>
			Harpyiae et magnis quatiunt clangoribus alas,<br/>
			diripiuntque dapes contactuque omnia foedant<br/>
			immundo; tum uox taetrum dira inter odorem.<br/>
			rursum in secessu longo sub rupe cauata<br/>
			[arboribus clausam circum atque horrentibus umbris]<br/>
			instruimus mensas arisque reponimus ignem;<br/>
			rursum ex diuerso caeli caecisque latebris<br/>
			turba sonans praedam pedibus circumuolat uncis,<br/>
			polluit ore dapes. sociis tunc arma capessant<br/>
			edico, et dira bellum cum gente gerendum.<br/>
			haud secus ac iussi faciunt tectosque per herbam<br/>
			disponunt ensis et scuta latentia condunt.<br/>
			ergo ubi delapsae sonitum per curua dedere<br/>
			litora, dat signum specula Misenus ab alta<br/>
			aere cauo. inuadunt socii et noua proelia temptant,<br/>
			obscenas pelagi ferro foedare uolucris.<br/>
			sed neque uim plumis ullam nec uulnera tergo<br/>
			accipiunt, celerique fuga sub sidera lapsae<br/>
			semesam praedam et uestigia foeda relinquunt.<br/>
			una in praecelsa consedit rupe Celaeno,<br/>
			infelix uates, rumpitque hanc pectore uocem;<br/>
			'bellum etiam pro caede boum stratisque iuuencis,<br/>
			Laomedontiadae, bellumne inferre paratis<br/>
			et patrio Harpyias insontis pellere regno?<br/>
			accipite ergo animis atque haec mea figite dicta,<br/>
			quae Phoebo pater omnipotens, mihi Phoebus Apollo<br/>
			praedixit, uobis Furiarum ego maxima pando.<br/>
			Italiam cursu petitis uentisque uocatis:<br/>
			ibitis Italiam portusque intrare licebit.<br/>
			sed non ante datam cingetis moenibus urbem<br/>
			quam uos dira fames nostraeque iniuria caedis<br/>
			ambesas subigat malis absumere mensas.'<br/>
			dixit, et in siluam pennis ablata refugit.<br/>
			at sociis subita gelidus formidine sanguis<br/>
			deriguit: cecidere animi, nec iam amplius armis,<br/>
			sed uotis precibusque iubent exposcere pacem,<br/>
			siue deae seu sint dirae obscenaeque uolucres.<br/>
			et pater Anchises passis de litore palmis<br/>
			numina magna uocat meritosque indicit honores:<br/>
			'di, prohibete minas; di, talem auertite casum<br/>
			et placidi seruate pios.' tum litore funem<br/>
			deripere excussosque iubet laxare rudentis.<br/>
			tendunt uela Noti: fugimus spumantibus undis<br/>
			qua cursum uentusque gubernatorque uocabat.<br/>
			iam medio apparet fluctu nemorosa Zacynthos<br/>
			Dulichiumque Sameque et Neritos ardua saxis.<br/>
			effugimus scopulos Ithacae, Laertia regna,<br/>
			et terram altricem saeui exsecramur Vlixi.<br/>
			mox et Leucatae nimbosa cacumina montis<br/>
			et formidatus nautis aperitur Apollo.<br/>
			hunc petimus fessi et paruae succedimus urbi;<br/>
			ancora de prora iacitur, stant litore puppes.
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	<section from="278" to="293">
		<german>
			Also brachten wir, nachdem wir uns schließlich des unerwarteten Landes bemächtigt hatten, Jupiter ein Sühnopfer dar und entzündeten die Altäre mit Weihegeschenken, und bei trojanischen Spielen füllten wir das Gestade von Actium. In den Künsten der heimischen Ringschule übten sich vom Öl glatt die entblößten Gefährten: Es freute sie so vielen griechischen Städten entkommen und mitten durch die Feinde geflohen zu sein. Inzwischen vollendete die Sonne ihren Jahreskreislauf und ein eisiger Winter wühlte mit seinen Nordwinden das Meer auf. Einen Schild aus gerundeter Bronze, den Schmuck des großen Abas, befestigte ich an den Toren und gedachte des Ereignisses mit einem Vers: Aeneas widmet diese den Danäern entrissenen Waffen den Siegern. Dann befahl ich ihnen die Häfen zu verlassen und sich auf die Ruderbänke zu setzen. Um die Wette erschütterten die Gefährten das Meer und fegten über die Fluten. Alsbald verloren wir die luftigen Höhen der Phäaken aus dem Gesichtskreis, längs der Gestade von Epirus segelten wir, in den Hafen von Chaonien liefen wir ein und kamen zu der hohen Stadt Buthrotum. 
		</german>
		<latin>
			Ergo insperata tandem tellure potiti<br/>
			lustramurque Ioui uotisque incendimus aras,<br/>
			Actiaque Iliacis celebramus litora ludis.<br/>
			exercent patrias oleo labente palaestras<br/>
			nudati socii: iuuat euasisse tot urbes<br/>
			Argolicas mediosque fugam tenuisse per hostis.<br/>
			interea magnum sol circumuoluitur annum<br/>
			et glacialis hiems Aquilonibus asperat undas.<br/>
			aere cauo clipeum, magni gestamen Abantis,<br/>
			postibus aduersis figo et rem carmine signo:<br/>
			aeneas haec de danais victoribvs arma;<br/>
			linquere tum portus iubeo et considere transtris.<br/>
			certatim socii feriunt mare et aequora uerrunt:<br/>
			protinus aerias Phaeacum abscondimus arces<br/>
			litoraque Epiri legimus portuque subimus<br/>
			Chaonio et celsam Buthroti accedimus urbem.
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